Im Land von Che und den Castros

Vorbei an der Festung „El Morro“ lief die Barbaco in die Bucht von Santiago de Cuba ein. Hier mussten wir uns über UKW Sprechfunk beim Hafenmeister anmelden. Die Verständigung gestaltete sich etwas schwierig, aber nach einigem Hin und Her verstanden wir, dass wir weit weg in einer abgelegenen Bucht in Quarantäne vor Anker gehen sollten. Die gelbe Flagge war natürlich schon gehisst.

Nach einer Stunde wurde ein medizinischer Kontrolleur auf der Barbaco abgesetzt. Wir beantworteten etliche Gesundheitsfragen und unsere Untertemperatur wurde aktenkundig gemacht.

Wir konnten die gelbe Flagge streichen und den netten Herren in der Marina absetzen.

Am nächsten Morgen kam der Zoll mit zwei Drogenhunden längsseits. Diese beschnupperten das Schiff von oben bis unten und in jeder Ritze – vergebens: wir sind clean!

Die ganze Anmeldeprozedur verlief sehr freundlich und professionell. 🙂

Die Marina hat schon bessere Tage gesehen – vermutlich hat ein Hurrikan die Steganlagen schwer beschädigt. Aber wir fühlen uns hier sehr sicher, da die Marina rund um die Uhr bewacht ist.

Wer ankern will, muss dies in Sichtweite des Marinaoffice tun. Sein Dinghy darf man nur benutzen, um damit an den Dinghysteg der Marina zu fahren – nicht an Land oder an eine nahe gelegene Bar gegenüber. Auch darf man Jugendlichen nicht sein Schlauchboot zum Badespass überlassen.

Während unseres Aufenthaltes fand ein großes Musikfestival in den Straßen und Kneipen von Santiago statt.

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Hier trafen wir musizierende Segler wieder, neben denen wir schon auf Tobago geankert hatten.. Diese erzählten uns, dass sie mit einheimischen Musikern einen Abend lang privat musizierten, der Kontakt am nächsten Tag jedoch ohne Angabe von Gründen abgebrochen wurde!

Da uns der Ankergrund nicht sicher genug erschien verlegten wir die Barbaco an den Steg und konnten beruhigt eine Inselrundreise unternehmen. Wir wollten uns auf Spurensuche begeben, das afrocubanische Havanna, das große Tabakgebiet im Südwesten, das „Land des grünen Goldes“ die riesigen Zuckerrohrfelder mit den Herrenhäusern und den verfallenen Sklavenhütten, die Bucht, in der Columbus 1492 auf die eingeborenen Indianer traf und einige historische Orte aufsuchen, die Ausgangspunkte von Befreiungskriegen und der Revolution waren.

Für die Fahrten wählten wir Viazul – ein Linienbussystem für Touristen. Die viel preiswerteren Buslinien der Einheimischen dürfen wir nicht benutzen – ebenso gibt es zwei verschiedene Währungen. Für uns ist vieles ca. 25 mal so teuer wie für die Locals! Sie verdienen allerdings auch nur ca. 20,- bis 30,-€ / Monat und man kann sich einfach nicht vorstellen, wie die Leute hier überhaupt überleben können.

Die 16 Stunden entfernte Hauptstadt Havanna war unser erstes Ziel. Der Hafenmeister hatte uns ein „casa particular“ – eine Privatunterkunft – vermittelt. Solche Beziehungen sind auf der Insel gang und gäbe und sehr hilfreich.

Die Zimmer waren alle gut, es gab Familienanschluss mit Hund und Baby und wir tranken unseren Morgenkaffee im Wohnzimmer – so behielten wir das System der Weiterreichung bei. Aber auch an Busbahnhöfen stehen unzählige Angebote bereit.

Obama kam zwei Stunden nach uns im Regen an und brachte den Verkehr an zentralen Punkten zum Erliegen.

Althavanna ist zum Teil sehr schön renoviert und an vielen Ecken wird restauriert. Hoffentlich ist es nicht zu spät! Abseits der Touristenströme bietet sich oft ein trauriges Bild – viele Gebäude sind in sehr desolatem Zustand.

Trotzdem hat die Stadt ein besonderes Flair, wenn Pferdekutschen, Rikschafahrer und vor allem die zum Teil gut erhaltenen Oldtimer stinkend und lärmend durch die engen Gassen, über teils idyllische, teils beeindruckende Plätze und an stilvollen Bars mit Livemusik vorbei rattern.

Zum Teil der gleiche Jahrgang wie der Skipper – wer hat sich besser gehalten?

Selbstverständlich waren wir auch in Ernest Hemingway`s beliebtester Bars – La Bodeguita del Medio – um auch sein Lieblingsgetränk Mojito zu kosten 🙂

 

Nach vier interessanten Tagen mussten wir wegen der Rolling Stones unser Zimmer aufgeben und die Stadt verlassen. Havanna war völlig ausgebucht – es gab keine Alternative. 😦

Im Westen der Insel liegt um die Stadt Pinar del Rio das beste Tabakanbaugebiet der Welt.

Ein Tagesausflug führte uns ins liebliche Tal Vinales. Dort wurde zu Ostern gerade Karneval gefeiert.

In den musealen Fahrgeschäften können die Kleinen die Revolution nachspielen, während die Eltern das leckere cubanische Bier „Cristal“ und den einheimischen Rum „Havana Club“ in großen Mengen verkosten.:-)

Die Stadt Trinidad an der Südküste wurde uns als „must do“ ans Herz gelegt, sie gilt als „die Museumstadt“ der Karibischen Inseln. Am Busbahnhof wurden wir schon mit einem Schild „Klaus & Erika“ empfangen – den Beziehungen unseres Gastgebers aus Pinar del Rio sei Dank. Unsere Casa particular lag im oberen Stadtteil und wir hatten von unserer Dachterrasse einen herrlichen weiten Blick über die Dächer und Innenhöfe hinweg von den Bergen bis zum Meer.

Der koloniale Kern von Trinidad mit seinem alten Straßenpflaster und seinen pastellfarbenen Palästen wirkt wie ein sehr gepflegtes Freilichtmuseum. Hier reiten Gauchos mit Cowboyhüten und Pferdekutschen holpern über das Kopfsteinpflaster. Unzählige Galerien mit stilvollen Restaurants und Bars mit Livemusik wechseln sich ab. Der sagenhafte Reichtum der Stadt wurde von den Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen erarbeitet.

Mit einem „Taxi collectivo“ fuhren wir gemeinsam mit einem spanischen Pärchen und Silvia und Florian vom Chiemsee auf die Cayo Coco an Kubas Nordküste. Die „Gärten des Königs“ genannten rund 400 flachen Inselchen im türkisblauen Meer sind ein Naturparadies mit reicher Flora und Fauna und traumhaften Stränden mit feinem weißem Sand. Hinter dem zweitgrößten Riff der Welt genossen wir drei „all inclusiv Tage bevor es dann wieder zurück zur Barbaco ging.

Wir werden noch ein paar Tage das lebenslustige Santiago genießen und dann zum Zweitagetörn nach Jamaika aufbrechen.

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Eine Antwort zu Im Land von Che und den Castros

  1. Barbara, the desk-sailor schreibt:

    Hi, Ihr Second-Hand-Spezialisten.
    also, ich sachma, ein eindeutiges Urteil darüber wer besser in Schuß ist, das Heckflossenwunder oder der smarte Captain, ist erst nach einer ausführlichen Probefahrt möglich. Oder wir fragen mal die Skipperin … wenn’s die nicht weiß ….
    Nun seid Ihr also auf Jamaika, dem Land von „soon come“, wie die „Süddeutsche“ leicht süffisant schreibt.
    „Soon come“ ist aber immer noch deutlich besser als „never come“, was es auf diesem Globus ja auch geben soll.
    Das Gegenteil von „never come “ wäre dann so etwas wie „all come as one“, was wiederum zu der Bilderflut paßt, die sich durch das lange Abtauchen der Barbaco angestaut hat.
    Wobei die Urwald-Apothekerin unseres Vertrauens, Senora Erika, umgeben von wunderbaren, heilsversprechenden Porzellangefäße hinter dem Tresen mit tangerinefarbenem (!) Seidenschal doch wegen ihres ansonsten schwarzen Habits leichte Zweifel aufkeimen läßt – ist doch blütenweiß die Apothekerfarbe, während schwarz zweifelsfrei dem Gegenspieler zugeordnet wird.
    Mörser gegen Sense, der Weltklassiker in einer kubanischen Neuauflage.
    Davon muß ich mich jetzt erst einmal erholen.
    So long, stay safe and let the good times roll,
    B&B

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