Kolumbienrundreise

Uff! Endlich ist die Arbeit an der Barbaco mal wieder erledigt und sie liegt sicher in der Marina „Club Nautico“ am Steg. Beruhigt konnte der Skipper nun eine Reise durch Kolumbien unternehmen.
Ein eineinhalbstündiger Flug brachte mich in die 1.600 m hoch gelegene Hauptstadt Bogota.

Kaum aus der Ankunftshalle herausgetreten wurden die Fluggäste lautstark von einer unübersehbaren Schar von Taxifahrern und Taxivermittlern mit ihren Angeboten bedrängt. Um den Halsabschneidern zu entgehen stieg ich in den nächstbesten Bus in Richtung Stadt.

Ständig stiegen Fahrgäste aus und der Bus wurde leerer und leerer bis der Busfahrer auch den letzten Fahrgast an der Endstation aussteigen ließ und ich landete mitten in einem Armenviertel! 😦

Für die umstehenden Menschen schien es eine willkommene Abwechslung zu sein, wie der einzige „Gringo“ weit und breit schnellen Schrittes 10 Minuten nach einem Taxi Ausschau hielt.

Ein familiär geführtes kleines Hotel fand ich dann direkt am „Plazoleta del Chorro de Quevedo“, dem historischen Herzen Bogotas. Hier treffen sich die Studenten, die Einheimischen und wenige Touristen abends zu Bier und Arepa – bei 12 Grad dick eingehüllt in Pullover, Jacke und Schal!

Die 8 Mio. Einwohnerstadt, jeder fünfte Kolumbianer lebt hier, ist in weiten Teilen ein Moloch der Armen. In der Innenstadt rund um die „Plaza Bolivar“, dem „Zentrum Kolumbiens“ , hat die Stadt aber viel zu bieten. Alleine das weltbekannte Goldmuseum mit seinen beeindruckenden 35.000 Exponaten und das „Museo Botero“ sind schon eine Reise wert.

Eine Metro gibt es in der riesigen Stadt nicht. Statt dessen verkehrt der überlange Bus „Transmilenio“ auf separaten Fahrspuren.

Vermutlich trägt auch er zum unerträglichen Smog in der Stadt bei. Auch die vielen offenen Kamine, die abends die Kälte vertreiben sollen, werden ihren Anteil dazu beitragen. Nicht nur mir brannten jedenfalls ständig die Augen und die Nase lief, sodass ich schon nach zwei Tagen die Flucht ergriff und nach Medellin weiter reiste.

In Kolumbien, so groß wie Frankreich und die iberische Halbinsel zusammen, ist der Bus das wichtigste Verkehrsmittel. Medellin hat zwei große Busbahnhöfe, in denen jeweils 50 Anbieter um die Kundschaft werben.

Medellin hat traurige Berühmtheit durch das Medellinkartell erlangt. Der bekannteste Vertreter Pablo Escobar stieg damals durch seine krimminellen Machenschaften und den Drogenhandel zum siebtreichsten Mann der Welt auf. 1993 wurde er allerdings erschossen! Danach blühte die Stadt und das bergige Umland auf und ist heute ein sicheres Touristenziel.
Die 2,5 Mio. Metropole hat auf 1500 m und mit 23 Grad Durchschnittstemperatur ein sehr angenehmes Klima.
Die Übergänge zu den Armenvierteln sind hier fließend. Auch um die „Plaza Botero“ herum gibt viele Bettler und Obdachlose, weshalb ein Spaziergang im Dunkeln alleine nicht wirklich entspannend ist.

Die Hauptverkehrsverbindung ist die Metro – Made in Erlangen und Krefeld. 🙂

Die Armenviertel an den Berghängen sind über die Metrocable angebunden. Ihre Kabinen schweben dicht über den verwinkelten Gassen und den Wellblechdächern und bieten eine gute Aussicht auf die riesige Stadt.

Nach drei Tagen hieß mein nächstes Ziel Armenia, das regionale Zentrum des Kaffeehandels. Der Kaffee ist nach dem Erdöl und der Kohle das drittwichtigste Exportgut, wobei Deutschland eines der wichtigsten Abnehmerländer für den kolumbianischen Kaffee und auch für die Kohle ist.

Die Stadt hat nicht viel zu bieten. 1999 zerstörte ein Erdbeben große Teile der Innenstadt, die aber sehr schnell, auch mit Hilfe aus Europa, wieder aufgebaut wurde.

Hier trinkt man abends kein Feierabendbier, sondern schleckt in einem der unzähligen gemütlichen Cafes einen der diversen Kaffeeeisbecher oder trinkt den x-ten Kaffee des Tages. Serviert wird er immer mit separatem heißen Wasser. So kann man ihn tröpfchen genau nach dem eigenen Geschmack abstimmen. 🙂

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Nach nur einer Nacht ging es weiter ins benachbarte Salento, ein beliebtes Ziel für kolumbianische Touristen und Backpacker. Besonders im Zentrum gibt es attraktive Häuser im paisa- Stil mit bemalten Türen, Fensterläden und Balkonen. Von hier aus können Wanderungen durch Kaffeeplantagen und das „Valle de Coroca“ mit seinen 60 m hohen Wachspalmen unternommen werden.

Nach ein paar Wandertagen ging es über Medellin zum „Piedra del Penol“, einem 200 m hohen Monoliten, von dessen Bergspitze aus man einem grandiosen Blick auf das neue Dorf „El Penol“ und den Stausee „Embalse del Penol – Guatape“ hat. Dieser versorgt Medellin mit Wasser und Strom.

Allgemein gilt diese Gegend auch als sicher; verwunderlich sind jedoch die vielen Polizisten die ihr Gewehr immer griffbereit mit sich tragen.

In Kolumbien werden viele Speisen mit den Fingern gegessen. Neu war für mich, dass statt Besteck Einmalhandschuhe vorgelegt wurden. 🙂

Leider war die zweiwöchige Rundreise viel zu schnell vorbei.
Nach einer nächtlichen Busfahrt von Medellin zurück nach Cartagena ankert die Barbaco jetzt wieder am Rand des Ankerfeldes.
Bei meiner Ankunft habe ich mich sehr gefreut auch meinen netten Nachbarn Petr wieder zu sehen. 🙂

 

 

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3 Antworten zu Kolumbienrundreise

  1. Ruth Ulrich schreibt:

    Ein super-Bericht, lieber Klaus, so anschaulich, dass wir fast schon dort waren! Interessant, dass Medellin ein sicherer Touri-Ort geworden ist, für uns war das immer noch der gefährlichste Ort der Welt. Aber die FARC ist weiterhin sehr aktiv, es lohnt sich bestimmt auf der Hut zu sein.
    Wir sind inzwischen wieder auf unserem Balkon im Ländle, nachdem wir in der Provence wochenlang geschwitzt haben. Wobei das Schwitzen hier grad weitergeht.
    Pass wie immer gut auf Dich und die Barbaco auf und sei herzlich gegrüßt von
    Ruth und Jochen

  2. Barbara, the desk-sailor schreibt:

    Hi Captain.
    danke für den wunderbaren Rundreisebericht, man hat fast das Gefühl, selbst ein paar Etappen mitgefahren zu sein.
    Ein bunter Mix aus Lokalkolorit, Natur, Kultur und Erlanger Wertarbeit getreu dem Motto:
    Dem Inscheniör ist nichts zu schwör, da stell’n mer doch a Metro hör …
    Diesmal war aber alles geboten, von Höhenluft ohne Luftkurortmedaille, mildem Grusel bei der düsteren Steintreppe, auf der nur noch die Guillotine fehlt, exotischen Tischsitten und Kolibri-Staunen über leicht(est)bekleidete Skulpturen bis hin zum haltlosen Kaffeerausch.
    Volles Programm, volle Punktzahl.
    Eine Dämpferplatten-Wallfahrt nach Ecuador hätte nicht erlebnisreicher sein können.
    Trotzdem ist es noch ungewiss, ob es Kolumbien in unsere Top Ten schafft.
    Zu sehr wurden wir in der Vergangenheit verwöhnt – und dann wartet ja noch die Südsee!
    Es bleibt spannend, keine Frage.
    So long, take care and cheerio
    B&B

  3. Horst-Dieter Kirchhof schreibt:

    Hallo Klaus,
    ich bin beeindruckt, ein toller Bericht.
    Viele Grüße und pass auf dich auf
    Horst

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