Rundreise durch Panama

Nach unserer Costa Rica Rundreise verbrachten wir wieder ein paar Tage an Bord der Barbaco in unserer im Bau befindlichen Marina in Puerto Lindo und in Portobelo. Die ganze Gegend ist sehr abgeschieden, man befindet sich praktisch am Ende der Welt.

Noch ein Dorf weiter endet die Straße an einer Fähre zur Isla Grande, an einer anderen Straße an der karibischen Küste entlang Richtung Kolumbien ist auch nach zwei trostlosen Dörfern und 20 km das Ende erreicht. Hier gibt es kein Geschäft, keine Kneipe, kein Restaurant, keine Tankstelle, keinen Geldautomaten, das Internet ist extrem langsam – und das Schlimmste ist, dass unser Kühlschrank defekt ist, so dass bei den hiesigen Temperaturen an einen Abstecher auf die San Blas Inseln nicht zu denken ist. Also nichts wie weg hier!

Schon bald brachen wir mit einem Bus in die 111 km entfernte Panama City auf, wo der nächste Leihwagen für uns reserviert war. Unser erstes Ziel war das Dorf El Valle, das auch bei den Panamaern wegen seiner Lage und des angenehmen Klimas als Feriendomizil und am Wochenende sehr beliebt ist. Nach der Puente de Las Americas, eine der größten Stahlbrücken der Welt, ging es über einen Teil des Panamerican Highway, der mit einer Länge von 26 000 km von Alaska bis nach Feuerland führt. Man zweigt nach El Valle ab, das sich auf 600 m Höhe am Boden eines 20 km großen kreisrunden erloschenen Vulkankraters ausbreitet und Dank der äußerst fruchtbaren vulkanischen Erde grünt und blüht es im ganzen Tal.

Es war tiefste Nebensaison und wir waren fast alleine unterwegs. An einem Tag hakten wir die Sehenswürdigkeiten ab: Ein Rundumblick vom Mirador am Kraterrand auf den waldreichen, nebelumhüllten Kraterkessel, versteckt im Wald und schwer zu findende interessante präkolumbianische Felszeichnungen, und eine kleine Urwaldwaldwanderung mit Bad im Naturpool standen auf unserem Programm. Die nahe gelegenen Stromschnellen des Rio Anton konnten wir wegen der ergiebigen Regenfälle nicht erreichen, bzw. das Bachbett war einfach nicht begehbar.

Unser nächstes Ziel waren die neuen Gatun – Schleusen auf der Atlantikseite des Panamakanals. Sie wirkten auf uns trotz ihrer riesigen Ausmaße, jede der drei hintereinander geschalteten Becken hat eine Länge von 427 m Länge und ist 55 m breit, gar nicht so überwältigend. Vielleicht lag es auch daran, dass gerade ein sehr großes Containerschiff geschleust wurde.

Leider waren keine Segelboote zu sehen, die werden nämlich durch die alten kleineren Becken geschleust. Trotzdem war es ein sehr interessanter Nachmittag, garniert mit einem Film vom Bau des ersten Kanals vor 100 Jahren und von dem neuesten Projekt, das erst dieses Jahr feierlich eingeweiht wurde, und wir haben nun ein wenig den Bammel vor unserer kommenden Kanalfahrt verloren.

Die folgende Nacht verbrachten wir unfreiwillig im Auto vor Portobelo.

Dieser kleine Ort hat eine sehr große historische Vergangenheit. Einmal jährlich ging in dieser Bucht eine große spanische Kriegs- und Handelsflotte vor Anker. Gold, Silber und Perlen wurden aus den Kolonien auf die Schiffe verladen. Heute zeugt das verschlafene Örtchen nur noch durch die verbliebenen Festungsanlagen vom vergangenen Ruhm.

Doch am 21.Oktober ist alles anders in Portobelo.

Alljährlich pilgern an diesem Tag Tausende von Gläubigen aus dem ganzen Land hierher, um sich Panamas bedeutendster Prozession zu Ehren des schwarzen Christus anzuschließen. Schon Tage vorher konnten wir Pilger beobachten, die sich teils in Prachtkleidern gehüllt und fast alle in der Farbe lila gekleidet, schwitzend auf ihren kilometerlangen Weg machten. Auf individuelle, teils sehr schmerzhafte Weise erfüllen die Gläubigen die selbst auferlegte Buße. Sie legen die letzten Kilometer zur Kirche oft auf den Knien zurück oder lassen sich heißes Kerzenwachs auf ihren nackten Oberkörper tropfen. Dabei werden sie von Begleitpersonen mit Wasser und aufmunternden Worten versorgt, während Heiligenbilder und kleine geschmückte, kitschig beleuchtete Altäre verheißungsvoll vor ihren Köpfen hin- und hergeschwenkt werden.

Abseits des Pilgerweges geht es aber auch ein bisschen weltlich zu, es wird viel gegessen und getrunken und natürlich sehr laute Discomusik gespielt wie auf einem großen Volksfest.

Während noch um 23 Uhr unzählige Leute herbeigeströmt kamen machte sich bei uns die Müdigkeit breit, doch dummerweise hatten wir auf der falschen Seite des Ortes zwangsparken müssen, eingekeilt zwischen Hunderten von Bussen und vielen vielen Privatautos. Die einzige Straße zu unserer Marina war dicht und blieb es auch bis 4 Uhr früh. Im Schneckentempo kämpften wir uns dann später durch die enge Ortsdurchfahrt und fielen endlich erschöpft in die Koje.

Für eine Besichtigung der Hauptstadt Panama nahmen wir uns zwei Tage Zeit. Auf den ersten Blick schon beeindruckt die Kulisse aus modernen Wolkenkratzern im Bankenviertel, grünen Hügeln, herrschaftlichen Villen, baumgesäumten Straßen und den Ozeanriesen, die Tag und Nacht in oder aus dem Kanal kommen. In Panamastadt lebt etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Landes, die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten nimmt immer mehr zu und so ist es nicht verwunderlich, dass bittere Armut und Kriminalität neben dem Wohlstand und Luxus von den Kanal- und Bankendollars zu Hause sind.

Für die Touristen wird der historische Stadtkern El Casco Viejo durch große Restaurierungsprojekte saniert. Teilweise erscheinen die von spanischer und französischer Architektur geprägten Residenzen und Handelshäuser, pastellfarbene Häuser mit schmiedeeisernen Balkonen, die Casa Municipalidad sowie der Präsidentenpalast schon wieder in altem Glanz, während ein paar Straßen weiter die alten Gebäude in sich zusammen fallen. Über die Sicherheit der Touristen wacht die Polizei, die auf Fahrrädern patroulliert.

Ein kurzer Besuch von Colon, der zweitgrößten Stadt des Landes, die am anderen Kanalende zum Atlantik hin liegt, hätte nicht kontrastreicher sein können. Colon wird als die gefährlichste, schmutzigste und hässlichste Stadt bezeichnet, für die keine Dollars aus der reichen Hauptstadt abgefallen sind. Und wirklich, kann man es sich kaum vorstellen, wie man in diesen morschen verfallenen Holzhäusern, die mit Brettern, Blechteilen oder sogar nur mit Lumpen und Pappkartons zusammen gehalten werden, überleben kann. Vor einem Spaziergang in den Straßen wird nachdrücklich  abgeraten und man sollte sich nur mit Taxis fortbewegen.

Dabei besitzt Colon einen Freihandelshafen, der nach Hongkong der zweitgrößte der Welt ist, aber alle Gewinne fließen ins Ausland oder nach Panamastadt.

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