Von Panama nach Ecuador

Der Törn von Panama nach „Las Salinas“ / Ecuador gilt als recht anspruchsvoll:

Gleich zu Beginn werden die Strömungsverhältnisse im Golf von Panama recht kompliziert sein, die nächste Hürde würde die windarme innertropische Konvergenzzone (ITKZ) sein, die wir schon bei unserer Atlantiküberquerung nach Brasilien und auf dem Rückweg nach Norden überwinden mussten und zuletzt würde an der Küste Ecuadors der kräftige Humboldtstrom, der von Südamerika bis zur ITKZ nordwärts gerichtet ist, unser Vorwärtskommen nach Süden erschweren.

Deshalb kauften wir uns in Panama noch vier weitere Zwanzigliterdieselkaniser. Damit haben wir jetzt 360 Liter im Tank und 140 Liter Diesel in Kanistern an Deck festgezurrt. Rechnet man ohne Reserve und ohne Gegenströmung und 5 kn/h und 3 l/h können wir damit immerhin rund 800 sm „motoren“.

Die Barbaco hatte rund 640 sm vor dem Bug und die Segelbedingungen variierten sehr. An den ersten drei Tagen schob uns ein kräftiger Wind von 5 – 6 Bft in Richtung Süden. Perfekt!!

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Von irgendwelchen Strömungen haben wir nichts bemerkt und genossen die Tage mit Sonne und einem 50 cm langen Bonito. (= kleiner Tunfisch).
Einen grandiosen Sonnenuntergang konnten wir auch noch erleben, ein goldener Ball versank im blauen Meer, während Hunderte von Delfinen die Barbaco für eine lange Strecke an Steuer- und Backbord begleiteten.

Leider wechselten ab der Häfte des Weges Windstärke und Windrichtung häufig. Dazu kamen Regen und Gewitter! Viele haben vom Wetter am Äquator die Vorstellung– wolkenloser Himmel und Sonne pur – aber wir wissen es ja jetzt schon, es war alles grau in grau, Regen mit heftigen Gewittern, und die Temperaturen blieben hinter den Temperaturen zurück, wie wir sie in letzter Zeit gewohnt waren. Wir mussten doch tatsächlich ein langärmeliges T-Shirt anziehen!

Um dem Schlechtwetter zu entkommen lief der Dieselmotor in der zweiten Törnhälfte fast ununterbrochen.
Obwohl viele Frachter in Nordsüd – und Südnordrichtung unterwegs waren mussten wir nur zweimal funken und anfragen, ob sie unser kleines Segelboot auch wahrgenommen hatten. Sie hatten und änderten daraufhin auch ihren Kurs.

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Am dritten Abend um 2100 Uhr überquerte die Barbaco zum dritten mal den Äquator und ihre Crew stieß mit einem spanischen trocken Sherry an! 🙂 🙂

In der Nacht hatten wir in Küstennähe wieder mit den Fähnchen der Fischer zu kämpfen, die bis zu 50 sm vom Festland entfernt ihre Treibnetze auslegen! Es waren erstaunlich viele da draußen! Gleich nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir einem Fischerboot so nahe, dass wir die weiteren Stunden im Wechsel auf Wache gingen und das war wirklich nötig. Im Morgengrauen kam uns kurz vor Salinas sogar ein Fischerboot entgegen und lotste die Barbaco um die ausgelegten Netze herum. Das war wirklich hilfreich!

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Jetzt sind wir also mal wieder auf der südlichen Halbkugel und hängen an einer Boje vor dem Yachtclub von Salinas.

Unser Manöver an der Boje war allerdings filmreif!
Nachdem wir über mehrere UKW- Kanäle den Portcapitain gerufen und keiner geantwortet hatte, machten wir an einer freien Boje fest. Leider kamen wir dort anderen Booten wegen der auslaufenden Wogen nach dem Sturm ziemlich nahe und wollten deshalb einfach schnell an eine andere Boje mit mehr Freiraum wechseln.
Während der Steuermann geziehlt langsam die andere Boje ansteuerte musste Erika am Bug stehend mit dem Enterhaken versuchen die Öse der Boje zu erreichen, durch die dann die Festmacherleine von Bord durch zu fädeln und wieder an Bord auf der Klampe zu belegen war. Mehrere Versuche misslangen, weil sie die Stange wegen der starken Strömung nicht so lange festhalten konnte. Klaus kam zwar zu Hilfe, aber er konnte die Boje auch nicht lange genug hochhalten, um das Seil durch die zu kleine Öse zu ziehen.
Beim nächsten Versuch löste sich der Haltegriff vom Enterhaken und dieser landete im Wasser. Hektisch unternahmen wir mehrere Rettungsversuche, um ihn wieder einzufangen.
Der Enterhaken ist ein wichtiges Utensil und darf auf keinem Boot fehlen, da er als verlängerter Arm gute Dienste tut, um Dinge aus dem Wasser zu angeln, Bojen hochzuziehen, um sich beim Anlegen in der Marina von Nachbarbooten abzustoßen oder ranzuziehen und um Seile über einen Poller zu legen.

Der Skipper gab wirklich alles, bekam die Stange zu fassen und ließ sie nicht mehr los, ging mit ihr aber leider über Bord. Zum Glück konnte er sich mit der anderen Hand am unteren Relingsdraht festkrallen.

Zuerst wurde natürlich die notwendige Stange gesichert, dann der Skipper zurück an Bord gehievt. Uff, war das eine Aktion und keiner hat gefilmt! Irgenwann haben wir die Boje dann doch noch bezwungen und die Freude war umso größer!

Bei dieser Aktion war doch tatsächlich der Relingsdrahtspanner gebrochen! Damit sowas in Zukunft nicht mehr passieren kann wird der Skipper sie in Zukunft regelmäßig inspizieren.

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Als wir uns dann am nächsten Morgen endlich in der Marina anmelden wollten wurden wir überrascht! Nach einigen Telefonaten und vielen unverständlichen Fragen nach unserem Club dämmerte es uns langsam, dass es sich bei dem Yachtclub trotz des mehrsprachigen Willkommen- Schildes um einen exclusiven Privatclub mit Pool und Tennisplätzen handelte und dass man vorher anfragen müsste, ob man tatsächlich als Gast willkommen ist.

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Also blieb uns nichts anderes übrig als die nächste Marina aufzusuchen. Die Leinen wurden von der Boje gelöst…..Kkkkrrrrr!!! was war das für ein ungutes seltsames Geräusch? Der Motor war ausgegangen und viel nach weiteren Startversuchen wieder aus! Der Skipper befahl „Anker runter“ und sprang beherzt ins Wasser, um die wegtreibende Boje einzufangen. Mit den zugeworfenen Leinen konnte dann die Barbaco wieder an der Boje festgemacht werden.
Sofort ging es im Motorraum an die Arbeit! Die Dieselpest hat jetzt auch auf der Barbaco zugeschlagen und hat den Verbindungsschlauch vom Tank zum ersten Filter verstopft.
Wir hatten seit einigen Monaten auf Dieselzusätze verzichtet, weil sich bei unserem hohen Durchsatz kein Schlamm im Tank bilden kann – dachten wir!
Der Fehler war zum Glück leicht zu beheben und schon nach 20 Minuten ging es weiter.

Am nahe gelegenen Hafen Puerto de Lucia kam uns gleich ein Boot entgegen und half uns beim Festmachen an einer Boje. Das war ja schon mal nett! Nicht so nett waren dann allerdings die Stegpreise dieses Yachtclubs. Stolze 800,-$ für einen Monat!! Für was eigentlich??

Für einen gammeligen Steg, für nicht weggeräumten Müll, für starken Schwell, (bei unserem Nachbarlieger rissen zwei Seile durch das Gerucke) keinen direkten Zugang zum Steg – wir nutzen das Dinghy um die 4 m Sicherheitsabstand zu überwinden!

Verzweifelte Nachfragen nach einer billigeren Variante, einer Boje oder einer Ankermöglichkeit, wurden nur mit Kopfschütteln, hier scheint keiner Englisch zu sprechen, beantwortet. Dazu sollten noch für jeden Tag 8.50$ für die Nutzung der Facilitäten dazu kommen.

Glücklicherweise kam ein Spanisch und Englisch sprechender Segler ins Büro und konnte den Damen klar machen, dass wir die meiste Zeit im Land herumreisen wollten. Sie waren gnädig gestimmt und haben uns schließlich diese Zusatzgebühr erlassen.

Dann kam der nächste Schock auf uns zu. In Ecuador geht nichts ohne einen Agenten. Gleich für 1200 Uhr wurde Carina bestellt und wir wurden mit dem Boot zurück zur Barbaco gebracht. An Land durften wir uns nicht aufhalten, weil die gelbe Flagge noch gehisst war. Carina kam pünktlich und kündigte uns für 1500 Uhr den Portkapitän, den Immigrations – und den Zollbevollmächtigten an. Die ganze Mannschaft kam an Bord und unzählige Zettel wurden ausgefüllt, untereinander vor und zurück, hin und her gereicht, Fotos unserer sämtlichen Papiere gemacht, außerdem vom Motor, der Barbaco von hinten, von der Seite und von vorne, und schließlich grob geschätzte 1000 Unterschriften geleistet. Das ganze gemütliche Beisammensein hat uns tatsächlich 450,-$ gekostet!!?? In dem Preis ist dann aber auch das Ausklarieren enthalten, natürlich!! naja dann! Ein richtiges Schnäppchen!!

Jetzt sind wir also in Ecuador einklariert. Wir fragten noch, wie lange unser Visum denn gültig wäre. Die Crew = Erika darf 30 Tage im Land bleiben und der Skipper = Klaus hat nun ein „unlimited“ Visum. Verstehe das wer will??

Nachdem uns die netten Männer beim Festmachen am Steg geholfen hatten, wir liegen jetzt mal wieder römisch-katholisch, konnten wir auch unsere restlichen Bananen verschenken. Diese grünen Bananen haben die Eigenschaft, lange Zeit unreif und haltbar zu sein, um dann quasi über Nacht schlagartig gelb zu werden und an einem Tag gegessen werden müssen.

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Um den Bewuchs am Unterwasserschiff brauchen wir uns in der Marina keine Gedanken zu machen! Es gibt unter der Wasseroberfläche mehrere kleine natürliche Ölquellen! So kommen immer wieder schillernde Wasserflächen an der Barbaco vorbei getrieben. In dem Wasser wächst absolut nichts!

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