Warten auf den Wind

Seit ein paar Tagen streifen wir gemeinsam mit der Lycka in der Inselwelt der Las Perlas umher. In der Ankerbucht von Contadora fielen am Wochenende die Yachten der betuchten Panamesen ein und wir verholten die Barbaco vor die Insel Pedro Gonzales. In dem kleinen Inseldorf leben 500 Menschen – es gibt eine Freiluftkneipe, einen winzigen Supermarkt und ein stillgelegtes Auto. Das Leben spielt sich hier auf den Straßen ab: Haare schneiden und flechten, Wäsche waschen, ein Boot mit Getränken entladen, Kampfhähne füttern, Essen vorbereiten, Grill anschüren, Fische entschuppen.

Zum ersten mal sahen wir, wie zwei Leguanen zuerst die Haut abgezogen, dann wie sie zerhackt und im Kochtopf gegart wurden. Bestimmt wahnsinnig lecker!

Die Menschen waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen, winkten und grüßten freundlich und die zahlreichen Dorfkinder freuten sich fotografiert zu werden! 🙂

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An Bord der Barbaco gab es mit der Lycka – Besatzung zum Abendessen einen frischen
80 cm langen Tunfisch! 🙂

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Für eine Nacht lagen wir dann in einer traumhaft schönen und einsamen Bucht der Isla San Jose. Unter unserem Boot schwammen große Rochen in dem klaren Wasser und ein grandioser Sternenhimmel erleuchtete die stockfinstere Nacht. Die Insel ist die zweitgrößte im Las Perlas Archipel und im Privatbesitz. Sie hat eine Flugzeuglandebahn und angeblich gute Straßen, aber keinen Verkehr, denn nur der Eigentümer fährt umher, wer weiß wohin? Wir haben leider keinen Zugang vom Strand ins Inselinnere gefunden.

Diesem angetriebenen Baumstamm möchte man nachts auf See auch nicht begegnen.

Obwohl seit Tagen kein Wind zu spüren war verlief die Nacht vor Anker äußerst unruhig, weil die Wellen quer aufs Boot zu liefen, die Schaukelei war unerträglich! Also brachen wir recht früh zu der Isla Del Rey auf, der größten Insel der Las Perlas. Gleich bei unserer Ankunft in der Bucht vor dem kleinen Fischerdorf Esmeralda brauste ein Motorboot mit vier jungen Männern auf uns zu, sie wollten Schokolade, Kekse, Kuchen und Dolares, boten Bananen und Papayas an, die sie gar nicht an Bord hatten, und hielten mit langen Hälsen nach interessanten Dingen im Inneren der Barbaco Ausschau. Nach langem Hin und Her vertrösteten wir sie damit später im Dorf einzukaufen und sie zogen ab. Aber es dauerte nicht lange, dann traf ein weiteres Motorboot mit einem 13-jährigen Steuermann und einer noch jüngeren Besatzung ein und sie beherrschten schon das gleiche Spielchen.

Zum Glück für uns tauchte dann die Lycka auf und die Kinder belagerten das andere Boot. Wir konnten unser Ankermanöver in Ruhe beenden, das Boot klar machen und nach einem kurzen Erfrischungsbad im herrlich temperierten Meer tuckerten wir mit unserem Schlauchboot an Land.

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Sofort waren wir von zahlreichen Kindern umringt, die uns auf unserem Rundgang durchs Dorf begleiteten und zu den vier Krämersläden führten, die gar nicht so leicht als solche zu erkennen waren. Eier konnten wir kaufen, aber das dringend benötigte Brot für die Reise war nicht aufzutreiben. Auch sonst war die Auswahl reichlich übersichtlich.

Alt und Jung waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen, sehr viele freundliche Männer kamen auf uns zu und stellten sich vor, waren aber keinesfalls aufdringlich dabei. Wir haben uns gewundert, dass in dieser Idylle Touristen und vor allem auch Segler eine Seltenheit zu sein scheinen. Für uns war das natürlich positiv! Als bald darauf die Lyckabesatzung auch an Land ging wurde extra die Dorfkneipe aufgesperrt und wir gönnten uns ein eiskaltes Willkommensbier.

Da der Wind Richtung Süden nach Ecuador immer noch nicht einsetzen wollte, konnten wir noch einen schönen entspannten Tag in der Lagune verbringen. Um 12 Uhr waren dann die versprochenen 30 frisch gebackenen Brötchen abholbereit und schnell wurden im Wald noch Papayas und Bananenstauden für uns geschlagen, mehr Proviant konnten wir leider nicht erwerben.

Dieser Tag schien für die Dorfgemeinschaft ein ganz besonderer zu sein. Schon vormittags versammelte sie sich erwartungsvoll am Strand, als ein größeres Schiff vor Anker ging. Fischerboote fuhren sofort hinaus, viele große Kartons wurden übergeben und an Land gebracht. Später am Nachmittag konnten wir miterleben, wie auf dem Dorfplatz unter Polizeischutz einige Kühlschränke, Waschmaschinen, Mikrowellen, Fernsehgeräte, Fahrräder, Matratzen und Bratpfannen verteilt wurden. Zuerst wurden die kleinen Kinder mit Spielzeug, Autos und Puppen beschenkt, dann stellten sich die Frauen geduldig in einer langen Warteschlange an und die Männer schleppten schließlich die schweren Kartons zu ihren Häusern. Kinder, die ihre neuen Fahrräder natürlich gleich ausprobieren wollten, erzählten uns, dass es sich um eine Art Tombola gehandelt hatte. Genau kamen wir nicht dahinter, aber ein teurer Fahrradkauf erschien uns bei den kurzen „fahrbaren“ Wegen nicht wahrscheinlich. Die vielen Pfannen waren dann gewiss ein Trostpflaster für die leer ausgegangenen Dorfbewohner.

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Alle schienen glücklich und zufrieden, die Kneipe hatte sogar geöffnet und wir hörten abends noch lange Musik und Gelächter zum Boot herüber schallen.

Morgen sollte passender Wind kommen und deshalb bereiteten wir noch alles für eine frühe Abreise Richtung Süden vor.

(Nachdem wir den Blogbeitrag fertig geschrieben hatten, gab es leider auf den Las Perlas kein Internet mehr. So kommt er sehr verspätet online)

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Eine Antwort zu Warten auf den Wind

  1. norbert200 schreibt:

    Tolle Erlebnis gute Reise weiterhin. Jetzt kommen langsam die Traumziele. Bleibt gesund und lasst euch nicht beklauen.

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