Von Port Vila zu den Smol Nambas

Die folgende Woche hatten wir englisches Wetter, alles grau in grau mit Nieselregen, es wurde gar nicht mehr richtig hell. Aber pünktlich zur Fireshow, die jeden Freitag Abend vor Hideaway Island am Strand stattfindet, klarte der Himmel auf und wir konnten mit etlichen anderen Touris und Yachties die Show mit super Musik, Pizza, Burgern, Cocktails und Bier genießen.

Nach einigen Einkäufen auf dem Markt und in dem französischen Bon Marche Supermarkt, der seinen Namen „Super“ auch wirklich verdient, legten wir Richtung Norden ab. Die Windrichtung hatte zwar gepasst, aber der Wind wurde immer heftiger, so dass wir noch auf der Insel Efate in der Havannah-Bucht für eine Nacht Schutz suchten und auf bessere Segelbedingungen warteten.

Am nächsten Morgen ging es in die Lamenbay der Nachbarinsel Epi Island, deren Bewohner hauptsächlich von Rinderzucht und dem Kavaanbau leben, den sie in Port Vila verkaufen.
Epi Island ist berühmt dafür, dass man in der Bucht mit Dugongs, das sind relativ zutrauliche Seekühe, schwimmen kann. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, obwohl die nächsten Verwandten der Seekühe die Elefanten sind! Mit dem gemeinsamen Planschen im Meer hat es leider nicht geklappt, aber zumindest haben wir ganz nahe bei unserem Dingy ein Exemplar gesichtet. Wahrscheinlich hat das Motorengeräusch unseres Außenborders dieses scheue Tier wieder ins tiefe Wasser vertrieben.
An Land spazierten wir durchs Dorf und suchten das in unserem alten Sailingguide hoch gelobte Sunset-Resort mit der renommierten Küche, aber das war augenscheinlich schon lange Jahre nicht mehr in Betrieb. So kosteten wir nur von unbekannten Früchten, die nach Birnen schmeckten.

Unser nächster Stopp war das Zyclonhole in der Sandwichbay auf der Insel Malekula.
Eine traumhaft gelegene Bucht, umgeben von Palmenplantagen und dichtem Regenwald, der bis ans Ufer reichte, bot uns und zwei weiteren Yachten einen absolut ruhigen, schwellfreien Ankerplatz.

Von dem direkt am Ufer gelegenen Dorf hörte und sah man nachts absolut nichts. Es war stockfinster, keine Elektrizität, nur ab und an konnte man das flackernde Licht von Taschenlampen erkennen.
Nachteilig war allerdings, dass man nicht in das einladende glatte Meer springen konnte, weil sich in der Bucht gerne Haie tummeln. Selbst auf das Tauchen um den Anker zu kontrollieren sollte man auf jeden Fall verzichten. Vor zwei Jahren wurde dort das kleine Kind einer Seglerfamilie, das vom Steg ufernah ins Meer gesprungen war, von einem Hai gefressen.
Ein nachhaltiger Schock für alle Segler, in dieser wunderschönen malerischen Bucht nicht zu baden.

Nach zwei Nächten segelten wir weiter auf der Suche nach größeren Dörfern, vielleicht sogar einem kleinen Städtchen mit einem Supermarkt und vorallem nach einem erfrischenden Bad im Meer.
Gegenüber der Insel Malekula fiel vor Wala Island dann das nächste mal der Anker in das kristallklare Meer, dessen Farbe an das Wasser eines Swimmingpools erinnert und so ufernah, dass wir mit Paddeln den Strand und das Dorf erreichen konnten.
Beim Finden der optimalen Ankerstelle war uns der Dorfchief Charly behilflich. Er kam uns in seinem Auslegerboot entgegen gerudert und führte uns anschließend gegen eine kleine Gebühr stolz durch sein Dorf.
Wir schenkten ihm Angelhaken, Schmerztabletten und den Jungen Malstifte. Als Gegengeschenk bekamen wir riesige, zuckersüße Pampelmusen und Papaya geschenkt. Auf Wala wachsen so viele davon, dass sie gar nicht wissen, wohin mit den vielen Früchten.

Die Barbaco ist das einzige Segelschiff hier und wir sind, abgesehen von einem chinesischen Pärchen auf der Insel Malakula gegenüber, die einzigen Touris weit und breit und dementsprechend groß ist das Interesse der Einheimischen an uns. Wir werden von absolut jedem mit Handschlag begrüßt und alle interssieren sich für die Menschen, die von dem weit entfernten Germany her gesegelt sind, eine genaue Vorstellung, wo jenes Land eigentlich geographisch liegt, haben sie allerdings nicht. Nur sehr wenige haben überhaupt schon etwas von Deutschland gehört, und wenn dann natürlich vom Fußball. Wir hatten aber auch keine Ahnung von Vanuatu, Land und Leuten, bevor wir hier angekommen waren.
Es gibt wieder nichts zu kaufen, aber die Leute sind fröhlich, freundlich und zufrieden, weil sie fast alles, was sie zum Leben brauchen, in ihren Gärten und im Wald finden, oder im Meer vor ihrer Haustüre. Sie besitzen viele Hühner und Schweine, die überall im Pazifik als Zeichen von Reichtum gelten. Die Hauer der Schweine werden stolz um den Hals getragen und besonders bei den großen Zeremonien kann man an der Anzahl dieser Tierzähne den Status der Männer im Dorf erkennen.

Auf der Hauptinsel Malekula, wo man im Busch verborgen noch viele alte Kannibalenkultstätten finden kann, wollten wir unbedingt noch einiges von den „Smol und Big Nambas“ erfahren.
Die Namen Smol und Big beziehen sich auf die Größe ihrer Penisschäfte. Diese wurden früher täglich von allen Männern getragen, heutzutage nur noch von einigen wenigen Stämmen. Die Schäfte werden von Bananen- oder Pandanusblättern gemacht und an einem Blättergürtel befestigt.
Direkt gegenüber von unserem Ankerplatz leben Stämme der Smol Nambas und Charly organisierte für uns den Bootsführer Stefano, der uns ans Festland übersetzte.


Nach einem Spaziergang durch das Küstendorf zu einem einsamen schwarzen Strand nahmen wir mit dem Chief eines Smol Namba Dorfes Kontakt auf und handelten den Preis für einen Custom Dance am nächsten Morgen aus.
Mit der Rückfahrt vom Festland zu unserer Insel wollte es nicht so recht klappen. Stefano erschien nicht zur vereinbarten Zeit, eine nette Frau versuchte pausenlos mit ihrem Handy Stefano oder sonst irgendeinen Inselbewohner zu erreichen, dann kam eine andere Frau, die neues Guthaben auf ihr Handy geladen hat, Akkus wurden raus- und reingebaut, neue Telefonnummern probiert, dann holte sie einen Spiegel und versuchte so von der Terrasse, irgendjemanden von der kleinen Insel auf uns aufmerksam zu machen, aber Fehlanzeige!!

Stefano kam dann irgendwann, brachte ein bestelltes Huhn von drüben mit und erklärte, dass er eine neue Handynummer habe. So einfach kann es gehen!! Aber es war trotzdem noch spannend und vorallem gekonnt, wie er bei Hochwasser mit einem Gehilfen und einer sehr langen Bambusstange sein Boot aus den Felsen manövriert hat.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr holte er uns direkt von der Barbaco ab und setzte über ans Festland.
Schon auf dem Weg ins Nambadorf wurden wir abgeholt und von der netten Veronique, der Tochter des Chiefs, die in Port Vila Touristik studiert, empfangen.

Während die Männer und die kleinen süßen Jungs, sowie die Frauen ihre Kostüme anlegten, informierte uns Veronique auf Englisch über das, was uns gleich erwarten würde :
Den tieferen Sinn der Tänze und Gesänge, Übertragung von Spirituellem, Bedeutung von Leben und Tod in den alten Traditionen und auch in heutiger Zeit, wo immer noch der Chief für das Wohlbefinden aller verantwortlich ist.

Dann wurden verschiedene Tänze, teils mit Gesang aufgeführt, zwischenzeitlich andere Kostüme und Kopfbedeckungen angelegt und viel auf den Tamtams getrommelt. Anschließend zeigten uns die Nambas, wie man Feuer macht, Essen in Blättern und Bambusrohren gart
– wir durften natürlich das Yam – Laplap verkosten -,
trockene Kokosnüsse geschickt mit einem Stein aufschlägt, Kokosmilch zubereitet, bestimmte Blätter als Servietten benutzt, aus Blättern verschiedene Spielzeuge und Schmuck basteln kann und vorallem wie sie die Dächer für ihre Hütten flechten und Kleidung anfertigen.

Zum Abschluss wurde wieder getanzt, diesesmal mit unserer Unterstützung, Dankesreden gehalten und heftige Umarmungen ausgetauscht. Wenn wir in einigen Jahren wieder in ihr Dorf kommen, werden wir als Mitglieder ihres Namba-Stammes immer herzlich willkommen sein.

Es war ein äußerst gelungener und sehr interessanter Vormittag. Nach diesem Erlebnis können wir uns gut vorstellen, dass die Leute hier zufrieden im Einklang mit der Natur leben, sie haben das Meer, den Wald mit genügend Holz, Bambusstangen, Kokospalmen, ihre Gärten mit Gemüse, Wurzeln und Früchten und pflegen alte Traditionen in ihren engen Gemeinschaften.

Mittlerweile liegt die Barbaco auf Esipiritu Santo vor dem Aore – Resort gegenüber der Hauptstadt Luganville  an einer Boje und wir freuen uns mal wieder in einer Stadt zu sein, auch wenn sie klein ist! 😉

 

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2 Antworten zu Von Port Vila zu den Smol Nambas

  1. Veronique Muluane schreibt:

    Thank you very much Claus and Ericka for your Visit close to us ,,, All visitors Either Eco Tourist or Crews are welcomed in Small Nambas tour @ rano,,, wish you All the best in your travelling,, Bisouuuuuuuuu
    From Veronique

  2. Ruth Ulrich schreibt:

    Très pittoresque, vous deux! Seid mal froh, dass es dort jetzt Schweine und Hühner gibt, sonst…
    Schön, dass Ihr jetzt aktive AISler seid, da können wir Eure Routen bestens nachvollziehen. Hier haben wir gerade goldenen Herbst, werden uns demnächst zum Wählen begeben und dann das Ergebnis zusammen mit Freunden im nahe gelegenen Naturfreundehaus (Erika, da warst Du zu meinem 50. Geburtstag) abwarten und abtrinken…
    Im Oktober sind wir zusammen mit unseren „chinesischen Kindern“ in China, um diesmal außer Hongkong v.a. das chinesische Landleben zu entdecken.
    Euch weiterhin nur moderate steife Brisen, wir freuen uns immer über Eure Berichte und grüßen Euch herzlich
    Ruth und Jochen

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