HAERE MAI AOTEAROA

Willkommen im Land der langen weißen Wolke!

Neuseeland hat eine zweistündige Zeitverschiebung zu Australien, so landeten wir in Auckland mit Verspätung erst nachts um 1Uhr. Um 2Uhr standen wir dann vor unserem Hostel, das wenig Ähnlichkeit mit dem Foto bei Booking.com hatte.
Unsere späte Ankunft hatten wir angemeldet und wir bekamen eine Telefonnummer, unter der wir uns nach unserer Ankunft melden sollten.
Aber : Fehlanzeige! Mailbox!! Alles war stockdunkel, keine Klingel am Gebäude, es regnete, war windig und kalt. Wir zogen mehrere Pullis und Jacken übereinander an, hüllten uns in Handtücher und verkrochen uns in ein Eckchen vor der Bruchbude. Doch es regnete immer heftiger und deshalb schlugen wir unser Lager in einer nahe gelegenen zugigen Bushaltestelle auf.

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Nach zwei Stunden dämmerte es und wir wollten uns gerade mit unseren Rucksäcken auf den Weg in die Stadt machen, als wir jemanden ins Hostel hineingehen sahen. Es war inzwischen 6Uhr geworden, als uns Sophie verschlafen und vorwurfsvoll die Tür öffnete und uns zu unserer Kammer führte.
Uns war alles egal, nur hinlegen und schlafen. Später zeigte sich dann das ganze Elend dieser total herunter gekommenen Bleibe. Ohne Worte!!
Nach dieser ersten Erfahrung mit Neuseeland konnte es eigentlich nur besser werden – und das wurde es auch.

Die Metropole Auckland, mit nahezu 1,4 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes, wurde auf 49 Vulkanenkegeln errichtet. Die herrliche Lage der City auf einer Landenge kann man gut vom Mount Eden oder dem 328 meter hohen Skytower bewundern – von letzterem kann man sich auch in die Tiefe stürzen.

Auckland bietet Traumstrände,Wolkenkratzer, Buschwald und ein kosmopolitisches Stadtleben. Die Bewohner stammen von Europa, Asien und den Südpazifischen Inseln, doch 25% der Bevölkerung sind Maori, eine der letzten Urvölker der Erde.
1987 wurde „Te Reo Maori“ neben Englisch zur zweiten offiziellen Amtssprache erhoben. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Integration der Maori unternommen und in weiten Bevölkerungsschichten wurde man sich der Bedeutung der Maorikultur für das ganze Land bewusst.

Im „War Memorial Museum“ erfuhren wir viel über die Maorikultur und die vulkanische Entstehungsgeschichte der Landenge, während wir in dem sehenswerten Museumsgebäude der Art Gallery historische und zeitgenössische Kunst zu sehen bekamen.

Hier begegnete uns wieder einmal ein Werk der japanischen Künstlerin Kasuma. In ihrem „Dot-Room“ musste jeder Besucher ein Blatt mit bunten Punkten verkleben. Es war gar nicht so einfach, noch freie Stellen in der Wohnung zu finden. Beim Hinausgehen hatte ich dummerweise einen Klebepunkt auf meiner Stirn vergessen. Ich musste umgehend wieder zurück, um ihn zu verkleben. Wäre wahrscheinlich Kunstraub gewesen?

Sonst geht es in der Stadt sehr quirlig zu, der Stadthafen voll mit teuren Yachten, internationale Restaurants, Shoppingmalls mit vielen Outdoorläden, Foodcourts und stilvolle alte englische und irische Pubs.

Bei den vielen Touristen hier in Neuseeland war es gar nicht so einfach noch einen günstigen Mietwagen zu bekommen. Ein „boxing day“ Angebot für eine Busrundreise überzeugte uns nicht. Aber wir hatten Glück und konnten noch ein passendes Auto mieten und unabhängig von allem die Nord- und später die Südinsel bereisen.

Neuseeland- wir kommen!!

Den Auftakt machte ein kurzer Stopp im Parry Kauri Park, um die teils über 600 Jahre alten Kauribaumriesen aus der Nähe zu bestaunen. Das Kauriholz war für die frühen Siedler nach Flachs und Waltran das drittgrößte Exportgut. Unglücklicherweise wachsen die Bäume sehr langsam und so wurden die Wälder wegen des großen Bedarfs sehr schnell abgeholzt.

Wir fuhren weiter zur Coromandelhalbinsel an die Ostküste und dann Richtung Norden zum Hot Water Beach. Aus dem Gebirge im Hinterland ziehen sich Adern heißer Quellen bis hinunter zum Strand. Dort sprudelt dicht unter der Oberfläche Heißwasser von 64 grad ins kalte Meer. Bei Ebbe kann man an der Sandtemperatur spüren, wo man sich ein Badewannen großes Loch oder auch eins für die ganze Familie buddeln kann. Einige übereifrige Buddler hatten sich mit der Temperatur etwas verschätzt und verbrannten sich zusätzlich zu ihrem Sonnenbrand auch noch die Fußsohlen.

Nicht so turbulent wie dort, wo Väter mit ihren Kindern stundenlang damit beschätigt sind, mit Schaufel und Spaten den optimalen Pool auszugraben oder die Wellen mit ihren Surfbrettern abzureiten, geht es am nahe gelegenen Hahei Beach zu. Hier ist das Meer ruhiger und man kann mit Kajaks versteckte Höhlen aufsuchen.

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Im Großraum Whangarei im Norden findet man eine Vielzahl von schönen Stränden, Häfen und Inselgruppen, während man in der trockenen Karstlandschaft dahinter zahlreiche Kalksteinhöhlen erforschen kann. Wir wanderten über blühende Wiesen, an imposanten Felsformationen vorbei zu den drei Abby Caves. Dort wurden auch, wie an vielen weiteren Stellen von Neuseeland Szenen für die Herr der Ringe Trilogie abgedreht.

Da jeder nur ein Paar feste Schuhe und eine lange Hose in seinem Rucksack dabei hatte, konnten wir es uns nicht erlauben, durch die enger und kälter werdenden Höhlen zu waten oder gar zu kriechen, weil überall Wasser in den Gängen stand. So weit es eben ging kletterten wir hinunter und leuchteten die dunklen Gänge mit unserer Taschenlampe aus.

Auf der Weiterfahrt nach Rotorua machten wir in Hamilton Station und schlenderten durch englische, französische, chinesische, japanische …und Maori Gartenanlagen.

Übernachtet haben wir in Cambridge, wieder einmal in einem sehr abgefahrenen schlichten Hotel mit Pub und Gambling room, und einer Terrasse neben unserem Zimmer. In der Nähe von Rotorua war absolut kein Zimmer mehr zu bekommen. Aber immerhin verbrachten wir unten im Pub einen lustigen Karaoke-Abend mit sangesfreudigen zahnlosen Maoris.
Leider keine Fotos gemacht!

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Ein must-do-Besuch war natürlich die Geothermalhochburg Rotorua. Dampfend, zischend und blubbernd treten heiße Thermalquellen und Geysire mitten in dem von Maoris bewohnten Dorf
„Whakarewarewa“ aus dem Boden. Berühmt ist der Pohutu- Geysir, der alle 20 Minuten eine 30 -50 Meter hohe Wassersäule ausstößt.
Von den Maori- Dorfbewohnern werden zahlreiche Touristengruppen durch den Torbogen des Gedenkens und über eine Brücke in ihr Dorf geführt. Vor dem Brückenbau 1885 mussten Besucher von Männern über den Fluss getragen werden. Heutzutage springen die Dorfkinder wie schon Generationen vor ihnen von der Brücke, um nach den Münzen zu tauchen, die die passierenden Besucher in den Fluss werfen.


Die Maoris leben hier schon über Jahrhunderte und machen sich die Kräfte der Erde zunutze. Der permanente Schwefelgeruch scheint sie nicht zu stören. Das sogenannte „Hangi“, ein typisches Gericht der Maoris, wobei Gemüse, Fleisch und Fisch in dampfenden Erdlöchern gegart wird, konnte man beim Kartenkauf vorbestellen oder nur einen Maiskolben, an dem man sich schön den Mund verbrennen konnte.

An den Rundgang durchs wundersam brodelnde Dorf, vorbei an Versammlungsraum, Schule, Kirche, Friedhof … schloss sich eine Vorführung von Gesängen und Tänzen in traditionellen Trachten an. Frauen, die gekonnt sogenannte Pois, Bälle an Schnüren, schwangen und Männer mit bloßem Oberkörper und Holzstöcken führten stolz ihr traditionelles Kulturgut vor. Beim berühmten Kriegstanz „Haka“ sollen die rausgestreckte Zunge und die böse rollenden Augen die Feinde in die Flucht schlagen. Es war natürlich touristisch aufgemacht, aber mit Liebe zu ihrer Maoriherkunft vorgetragen.

Per Zufall entdeckten wir an der Straße ein braunes Hinweisschild zu der „blue spring“-Quelle. Ein braunes Schild bedeutet immer für Touris interessant, oder es ist ein Heritage place. Der Trail führte uns durch eine atemberaubende Landschaft, an einem blau-grünen Fluss entlang zur Quelle, aus der superreines wirklich blaues Wasser sprudelte. Das Grün stammte von den Wasserpflanzen, die von der starken Strömung des Flusses bewegt wurden. Das Erstaunliche daran war auch, dass die ganze Gegend eher trocken und öde erschien, und dann plötzlich diese üppige Natur am Flusslauf ….

Und in der Nähe wartete noch ein weiteres geothermales Highlight auf uns, das in vielen Karten gar nicht erwähnt wurde. Das „Orakei Koraka“- Areal kann man nur mit einer Fähre erreichen. Je näher man zu den dampfenden, stinkenden Geysiren kommt, desto beeindruckender erscheinen die verschieden farbigen grünen, gelben und braunen Terrassen, aus denen zischend Wasserdampffontänen austreten. Durch das ganze Gelände führen abgetrennte Pfade auf Holzplanken, die man nicht verlassen darf, weil es überall aus einem der vielen Löcher zu einem plötzlichen Ausstoß kommen könnte und weil der Boden einfach zu heiß ist. Auch an brodelnden Schlammlöchern und Höhlen führt der Pfad vorbei, ein echtes Spektakel!

Der Lake Taupo ist mit 616 Quadratkilometern der größte Süßwassersee Neuseelands, wird vom längsten Fluss, dem Waikato, gespeist und entstand bei einer gigantischen Vulkanexplosion vor etwa 26500 Jahren.
Diesmal übernachteten wir auf einem Wohnmobilpark in einem gefakten VW Bus mit Gemeinschaftsküche, Duschen, Grillmöglichkeit und Seeblick.
Leider auch mit einer Armada hunderter Moskitos. Erst als die allerletzte erschlagen war konnten wir uns zum Schlafen legen.

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Die Huka Falls, nördlich von Taupo gelegen, ziehen täglich viele Besucher an. An dieser Stelle des Waikato Flusses verengt sich das Flussbett von 100 auf nur 15 meter. Dadurch entstehen Stromschnellen und Wasserstufen und schließlich der nicht sehr hohe, aber trotzdem spektakuläre Wasserfall, weil die schaumbildenden Wassermassen des türkisblauen Wassers mit einer enormen Geschwindigkeit hinabstürzen.
Von einem weiteren Standort sahen wir uns noch an, wie nach einer Schleußenöffnung des Dammes in kürzester Zeit das trockene steinige Flussbett geflutet wurde.

Unsere Route führte uns anschließend in den Tongariro Nationalpark, dem ältesten von Neuseeland. Majestätisch thronen die drei Vulkankegel von Mt. Ruapehu, Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro über der Landschaft des 80000 ha großen Parks. Die drei Vulkane entstanden vor rund zwei Millionen Jahren und sind bis heute aktiv.
Die äußerst beliebte 17 Km lange Tagestour steil hinauf zum Tongarirogipfel haben wir aus Zeitmangel nicht in Angriff nehmen können und der Heli war uns zu teuer.
Stattdessen fuhren wir so weit hoch wie es ging zum Parkplatz und mit zwei Sesselliften weiter bis zum Geröllfeld, in dem wir noch ein bisschen herumgekraxelt sind. Leider sind uns so die berühmten, spektakulären Emerald Lakes im Vulkankrater entgangen, aber was soll`s, man kann nicht alles mitnehmen.
Sehr witzig war, dass auf der Höhe des Parkplatzes eine Schneekanone eine Minischneefläche mit einem Miniabfahrtshügel geschaffen hatte, von dem Kinder den Berg hinabrodeln konnten.

Von Turangi fuhren wir die 155km lange kurvige Strecke des „Forgotten World Drive“ Richtung New Plymouth. Es ist der älteste Trail von Neuseeland und wirklich eine gottverlassene Gegend. Wir durchfuhren diese unberührte Landschaft, aber enge Flusstäler, mehrere Bergsattel mit weiter Sicht auf die Vulkane, steile Schluchten, keine Dörfer oder Tankstellen, aber jede Menge Kühe und noch mehr Schafe brachten Abwechslung auf der Route. Am Anfang steht ein hübsches Cafe inmitten von Lavendelfeldern und auf halbem Weg machen alle Touris in dem historischen Hotel „Whangamomona“ Halt und bestellen sich „fish and chips“.

Im zentral gelegenen Backpackerhostel in New Plymouth wurden wir sehr freundlich empfangen und herumgeführt. In der Küche konnten wir unsere wenigen Essensvorräte im Kühlschrank verstauen und uns auf der Dachterrasse ein Ankunftsbier genehmigen.
Die Hostels sind sehr unterschiedlich ausgestattet. In Plymouth gab es viele Kühlschränke, reichlich Geschirr und Töpfe und Stauraum für haltbare Lebensmittel wie Müsli, Haferflocken, Nudeln und alles, was die Backpacker so zu sich nehmen. Alles muss mit Namen und Abfahrtsdatum versehen werden und natürlich spült jeder sein eigenes Geschirr ab, was nicht überall wirklich klappt.

Im Botanischen Garten fand gerade das „Festival of Lights“ statt. Nach Einbruch der Dunkelheit erstrahlten Bäume, blühende Hecken, Grotten, Wasserfälle, Springbrunnen, Brücken und die Gondeln auf dem See in wechselnden bunten Farben. Kitschig, aber schön, besonders an einem lauen Sommerabend.

Am nächsten Morgen stand Neuseeland`s höchster Vulkan, der „Taranaki“, wegen seiner symmetrischen Form auch „Fudschijama“ genannt, auf unserem Programm.
Leider zeigte er sich nur bei unserer Anreise in seiner ganzen Schönheit, bei unserer Ankunft war der Gipfel wolkenverhangen.

Zurück in der Stadt besuchten wir erst das „Puke Ariki Museum“, anschließend den phantastischen Museumsbau „Govett-Brewster“ Art Gallery. Die spiegelnde gebogene silberne Außenfassade, in der sich die gegenüberliegenden Häuser und ein Turm spiegeln, ist schon was Besonderes.

Unsere nächste Unterkunft buchten wir privat und wir hatten richtig Glück. Als einzige Hausgäste wurden wir ins Königszimmer upgegraded, hatten ein riesengroßes Bad für uns allein, Wohnzimmer und Küchenbenutzung und eine Terrasse unter einer Weinlaube. Außerdem servierte uns der sehr nette Hausherr ein typisches Kiwibreakfast : sausages, bacon, eggs, hash brown, grilled tomatoes and toast. Auch das allseits beliebte „Marmite“, ein dunkler, salziger, malziger, bitterer Hefeextrakt, der auf keinem Frühstückstisch fehlen darf, sollten wir vorsichtig! verkosten. Sehr gewöhnungsbedürftig!!
John erzählte uns so einiges über Land und Leute, führte uns seine drei Autos vor, die er teilweise noch fertig restaurieren muss und empfahl uns für den nächsten Tag eine Tour an die Ostküste nach Napiers.
Die Stadt wurde 1931 von einem Erdbeben total zerstört, aber im Art-deco- Stil von damals wieder aufgebaut.

Wellington, die südlichste Hauptstadt der Welt, erstreckt sich entlang des weiten Hafenbeckens, von dem sich die Straßen mit den hübschen Häuschen aus der Siedlerzeit an steilen grünen Hügeln hinaufwinden.
Die Innenstadt ist übersichtlich, alles ist zu Fuß erreichbar, hat moderne und historische Fassaden, viele Cafes, viele schöne openair – Restaurants, takeaways aller Nationen, gemütliche laute Pubs, viel Kunst und Kultur, viel live music, Streetartisten, Nachtmärkte …, aber keine Parkplätze.
Und die begehrten deutschen Bratwürste werden gewissenhaft mit dem Fleischthermometer geprüft! 🙂
Im „Te Papa Tongarewa“ Nationalmuseum, das ebenso wie die meisten Museen kostenlos ist und entsprechend gut besucht wird, erfährt man viel über Vulkane, Erdbeben, Politik, Maorikultur, Landesgeschichte…und wie überall ist auch hier ein großer Trakt den Kriegsgeschehen gewidmet, an denen Neuseeland mitbeteiligt war.

Vor unserer Überfahrt mit der Fähre zur Südinsel besichtigten wir noch die
„Old St. Paul`s Church“, die einzige neugotische Holzkirche der Welt und aus Zeitmangel das Regierungsviertel nur von außen.

Der Fahrer holt sich seinen verdienten Schlaf vor der Weiterfahrt zur Südinsel 🙂

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