Winter in Nordvietnam

Mit dem Sleeping-Bus fuhren wir von Hoi An weiter nach Hue, der historischen Hauptstadt (1802-1945) Vietnams und Sitz des letzten Kaisers.
Früher stellte der 20 km lange Wolkenpass eine natürliche Grenze zwischen Nord- und Südvietnam dar, heute verkürzt sich die Strecke durch den neu gebauten Tunnel erheblich. Dass die Berge dort als Wetterscheide fungieren, mussten wir in Hue sehr bald am eigenen Leib erfahren. Es würde empfindlich kühl,später sogar kalt und regnerisch.

In der alten Kaiserstadt Hue besichtigten wir die riesige Zitadelle, eine Befestigungsanlage mit einem fast 10 km langen Umfang. Sie ist nach chinesischem Vorbild 3fach von Mauern umgeben. Im äußersten Ring lebten damals Minister und Beamte, im mittleren der Kaiser mit seiner Familie und einer großen Anzahl von Konkubinen und Eunuchen. Zum innersten Zentrum, der‘ purpurnen verbotenen Stadt‘ hatte nur der Kaiser und engste Vertraute Zugang.
Während der französischen Kolonialzeit und spâter im Vietnamkrieg wurden große Teile des Palastes zerstört und werden jetzt erst so langsam wieder aufgebaut.

Da wir nur 2 Tage in Hue bleiben wollten, buchten wir eine Halbtagestour zu verschiedenen etwas außerhalb liegenden Kaisergräbern : Die Gräber von Tu Duc, von Minh Mang, und von Khai Dinh. Obwohl das Englisch unseres Guide nicht das Beste war, so haben wir doch viel Interessantes und Geschichtliches über die verschiedenen Epochen und Lebensweisen erfahren.

Nach den vielen Informationen wurde uns noch eine beeindruckende Kung-Fu Vorstellung zur Entspannung geboten, die war live wirklich gut! und ein Besuch bei einem Souvenirshop, wo man u.a.bunte Räucherstäbchen, Lackdosen und Korbsachen kaufen konnte.

Eine Tour in die Demilitarisierte Zone haben wir zeitlich leider nicht mehr unterbringen können. Die DMZ , die entlang des 17.Breitengrades verläuft und 1954 nach der Genfer Konferenz eingerichtet wurde und Nord- und Südvietnam trennte, war die am stärksten vom Krieg betroffene Region.

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Wieder mit einem Nachtbus ging es Richtung Ninh Binh, in eine Gegend mit phantastischen Landschaftsformationen. Reisfelder und Täler, die von steil aufragenden Karstfelsen umgeben sind bestimmen das Bild. Diese „trockene Halongbucht“ kann man per Boot, mit dem Rad oder per Pedes erkunden und sich von der Schönheit verzaubern lassen.
Unzählige Boote rudern mit einer nie gesehenen Fußrudertechnik Touristen beschaulichen Wasserwege entlang zu versteckten Höhlenpagoden, die man auf dem Landweg nicht erreichen kann. Ist gut fürs Geschäft!!

Das Wetter war uns zu schlecht für eine mehrstündige Bootstour, deshalb machten wir uns nach einem Spaziergang rund um Tam Coc auf den Weg nach “ Chua Bai Dinh“, dem größten Pagoden- und Tempelkomplex des ganzen Landes. Insgesamt umfasst die Anlage vier Tempel, drei davon stehen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der vierte ist der Göttin der Barmherzigkeit gewidmet. Vom Eingang führen zwei überdachte Treppen mit je 500 Stufen hinauf. Der mühsame Anstieg geht an Hunderten von weißen Alabasterbuddha-Statuen vorbei, die alle unterschiedlich aussehen , aber jede Figur ist durch die Berührung der Gläubigen und der vielen Touristen am Knie, Fuß, Bauchnabel … abgegriffen. In dem ganzen Komplex befinden sich in Tausenden Wandnischen zusätzlich kleine goldene Buddhafiguren. Einfach überwältigend. Je höher man steigt, desto prunkvoller sind auch die Tempel ausgestattet. Ganz oben wacht der dicke lachende zukünftige Buddha und blickt über die große Anlage in die wunderschöne Landschaft.

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Anschließend ließen wir uns noch von einem Taxi nach Hoa Lu zu den Resten einer alten Hauptstadt fahren, wo noch zwei Tempel und Ruinen der Zitadelle vom einstigen Glanz zeugen. Dort trafen wir auf etliche Schulklassen, die alle ganz hin und weg waren, als sie uns sahen, grüßten und kicherten, umarmten uns herzlich und wollten gar nicht mehr aufhören zu fotografieren.

Hanoi, die Hauptstadt Vietnams, war unser letztes Ziel in dem großen Land, das eine Nord-Südausdehnung von 1650 km und eine Ost-West Ausdehnung von 50km an der schmalsten Stelle bis zu 500km an der breitesten hat.
Hanoi liegt am roten Fluss, ihr alter Name“Than Long“ bedeutet aufsteigender Drache und dieser Name beschreibt die turbulente Stadt sehr treffend.
In den Altstadtgassen prägen noch viele Traditionen das Großstadtleben: Kleinhändler bieten ihre Waren an, mit den alten Fahrrädern oder den Flachkörben, die sie an Stangen durch die Straßen schleppen. Handwerksbetriebe erledigen ihre Aufträge vor ihren kleinen Werkstätten. Überall werden Obst, Blumen, Fleisch und Fisch, belegte Baguette und vietnamesische Süßigkeiten angeboten.Es gibt ganze Straßenzüge mit Devotionalien, Antiquitäten, Musikinstrumenten, traditioneller chinesischer Medizin, Blechwaren, Kôrben, Seidenstoffen, Papierwaren, Särgen ….und seit einigen Tagen chinesische, rotgolden schmückende Dinge zum Neujahrsfest??

Und dazwischen fahren täglich zwei Millionen Menschen auf ihren fahrbaren Untersätzen umher. Wenn man das Treiben von einem sicheren Plätzchen vor einem Cafe beobachtet, kann man immer nur staunen, wie das so reibungslos klappt!
Kein Mensch regt sich auf oder schimpft, es wird aber sehr viel gehupt!!
Eine uns bisher unbekannte Spezialität in Hanoi ist starker gesüßter Kaffee, der mit einem schaumig geschlagenen rohen Eiern verfeinern wird.

Ruhe findet man am Ufer des Hoan Kiem-Sees, das an jedem Wochenende auch noch großräumig für den Verkehr abgesperrt wird. Die Kinder dürfen auf der normalen Straße Elektrofahrzeuge benutzen, Gipsfiguren bemalen , Fußball spielen und Holztürme bauen.

Unsere Tage in Hanoi waren von flotten Fußmärschen bestimmt.
Old Quarter, französisches Viertel, rund um die Zitadelle, Besichtigungen des Jadetempels, des Literaturtempels, der Schildkrötenpagode, der Kathedrale, des Ho-Chi-Minh-Mausoleums, Hoa Lo Gefängnisses, der Oper….und diversen Umzügen in eine bessere Unterkunft. (Sehr viele Hotels haben nämlich keine Fenster, aufgrund ihrer Bauweise auf den sehr schmalen aber langen rechteckigen Grundstücken)

 


Das größte Highlight, die Halongbucht, durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zwei Tage mit einer Übernachtung auf einer Dschunke waren bei dem Überangebot an Touren schnell gebucht. Alles war vom Veranstalter super organisiert, Pickup pünklich vom Hotel, Busfahrt, Check in, Tender zu unserer Dschunke „Golden Star“, und dann ging es gemächlich durch diese einmalige Landschaft mit ihren 2000 steil aus dem Wasser ragenden Inseln, deren bizarre Formationen aus Kalkstein, Korallen und Muschelgestein urzeitlichen Ursprungs sind. Das geologische Alter der Inseln beträgt zwischen 250 und 280 Mio. Jahren.
Obwohl das Wetter nicht gerade gut war, wurde der Tourplan durchgezogen: Höhlenbesuch, Strand mit Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad, Aufstieg zu einem Aussichtspunkt, Springrollherstellung, Perlenfarmbesichtigung, Kajaktour. Alles sehr interessant. Und es gab ein super Essen mit vielen abwechslungsreichen schmackhaften Gängen.
Es war meist ziemlich diesig, aber wir haben trotzdem einen wunderschönen Eindruck dieses Wunders erleben können.

Unsere abwechslungsreiche Reise durch Vietnam geht morgen zu Ende. Wir haben viel gesehen, unterschiedlichste Landschaften, Städte, Kultur, viel über das asiatische Leben seiner Bewohner und vorallem über die wechselvolle Geschichte dieses wehrhaften Volkes erfahren.

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Eine Antwort zu Winter in Nordvietnam

  1. norbert200 schreibt:

    Toller Spot ich bin sehr neugierig, was ihr erzählt, wenn wir uns sehen.

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